Man würde sich Jürgen Sundermann als Gast wünschen. Den Mann, der so herrlich über seine Zeiten als Trainer bei Sparta Prag und beim VfB Stuttgart erzählen konnte. Die Schwaben, zweite Mannschaft, kommen am Samstag ins Sachs-Stadion. Seine Spiele in der dritten Liga bescheren dem FC 05 Schweinfurt nicht nur namhafte Gegner – sondern auch prominente Trainer und Manager als Besucher. Doch leider nicht (mehr) Jürgen Sundermann.
Er leistete in Tschechien Pionierarbeit: Sundermann war der erste deutsche Trainer in der höchsten Fußball-Liga. Fans von Sparta Prag trauten ihren Ohren nicht, als sie im Oktober 1994 hörten, dass er künftig ihre Fußball-Lieblinge trainieren wird. Ausgerechnet ein Deutscher… Und dann Sparta, den Traditionsklub, ebenso geliebt und gehasst wie Bayern München in Deutschland…

Der „Wundertrainer“ führte seine Spieler immer – und auch in Prag – mit harter Hand. Deshalb prallten vor mehr als 30 Jahren Welten aufeinander: Hier der strenge Disziplin-Fanatiker aus dem Ruhrgebiet, dort tschechische Laissez-faire-Fußballer. Daher trainierte Sundermann die gar nicht so spartanisch lebenden Sparta-Spieler auch nur ein halbes Jahr lang, bis 27. März 1995.
Schon damals und bis heute hängt Sundermann das Wortspiel vom „Wundermann“ an. Es stammt aus jener Zeit, als er den VfB Stuttgart 1976 in der zweiten Bundesliga übernahm, in die Bundesliga führte, dort mit den „jungen Wilden“ auf Anhieb Vierter und im folgenden Jahr gar Vize-Meister wurde. Wobei er auf eine junge Achse von späteren Europa- und Vizeweltmeistern baute, wie Karlheinz Förster und Hansi Müller.

Jürgen Sundermann hat sich in seinen Stuttgarter Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei Spielen der zweiten VfB-Elf über Kandidaten für seine Mannschaft informiert. Denn Stuttgarts Zweite – heute die U23 des Bundesligisten – brachte immer wieder Talente hervor, die später Weltniveau erreichten.
Einer von ihnen: Sami Khedira, Weltmeister von 2014 und Champions League Sieger mit Real Madrid. Ein anderer: Aleksandr Hleb, der beim FC Barcelona spielte. Auch der tschechische Nationalspieler Jan Kliment, letzte Saison mit 18 Treffern für Sigma Olmütz Torschützenkönig in der heimischen Liga, hat Erfahrung mit der Zweiten des VfB. Dies erwähnte er vor wenigen Tagen in einem Interview mit kicker-sportmagazin vor dem Spiel seiner Olmützer gegen den FSV Mainz in der Conference League.
Nach starken Spielen bei der U21-EM in Tschechien kam Kliment zur Saison 2015/16 ins Schwabenland, absolvierte dort aber – auch wegen zahlreicher Verletzungen – nur zehn Spiele für den VfB in der Bundesliga und im DFB-Pokal. Doch für die zweite Elf der Stuttgarter lief er in 17 Partien in der dritten Liga und der Oberliga auf, vor allem in der Saison 2019/20.
Fraglos wäre Jürgen Sundermann eine Attraktion beim Gastspiel des VfB II im Sachs-Stadion geworden. Doch der sympathische Coach verstarb im Oktober 2022 im Alter von 82 Jahren.
Diese Rolle erfüllte auch Mario Basler, der für einen anderen Termin nach Mainfranken kam und ihn mit einem Besuch im Schweinfurter Stadion verband. Basler sah sich das Heimspiel der Nullfünfer gegen der VfL Osnabrück am 12. Spieltag an.
Seine sportliche Karriere ist durchaus beeindruckend: Er gehörte zum Aufgebot für die EM 1996 und war mit Bayern München und Werder Bremen mehrfach deutscher Meister und Pokalsieger. Zudem erzielte er das Tor zum 1:0 im legendär verlorenen Champions League-Finale 1999 von Bayern München gegen Manchester United (1:2).

Sein Image als kritischer wie freimütiger Geist steht seiner sportlichen Bilanz freilich nicht nach. Das bekamen auch die Schweinfurter zu spüren. Die heimische Elf empfand er „besser für die Regionalliga“ geeignet, das Stadion als völlig unmodern und den Verein angesichts fehlender Investitionen als wenig ehrgeizig. Wenigstens präsentierte sich Basler nahbar. Nach seinem Auftritt kursierten gefühlt 100 Selfies von Zuschauern mit Basler (hier mit FC 05-Edelfan Andreas Schönrock) im Internet.
Erfolgreicher als Basler war Klaus Allofs: Als Spieler Europameister (1980), Vize-Weltmeister (1986) und Europacupsieger (1992), als Manager mit Werder Bremen Double-Gewinner aus Meisterschaft und Pokalsieg (2004) und mit dem VfL Wolfsburg Vizemeister und Pokalsieger (jeweils 2015).
Seit 2020 versuchte Allofs vergeblich, als Vorstand mit Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga zurück zu kehren. Er begleitete die Rheinländer in der ersten Runde des DFB-Pokals zu Saisonbeginn an den Main. Nach dem umkämpften 4:2-Erfolg für seine Düsseldorfer prophezeite der erfahrene Stürmer den Schnüdeln keine einfache Saison. „Die dritte Liga ist anspruchsvoll“, so Allofs im August.
Doch er zeigte sich als höflicher Besucher: „Nach der Leistung von heute ist der Klassenerhalt für Schweinfurt trotzdem nicht ausgeschlossen.“ Da irrte der Funktionär freilich. Und wie die Nullfünfer in Liga drei hatte auch Allofs selbst beim Zweitligisten keine große Zukunft mehr: Noch vor Weihnachten gab ihm Düsseldorf den Laufpass.

Viel Länderspielerfahrung wie Allofs hat auch Rachid Azzouzi, der für Marokko bei der WM 1994 und 1998 auflief. Später führte er die SpVgg Fürth als Manager sowohl 2012 wie 2021 in die Bundesliga. Seit August ist Azzouzi Geschäftsführer bei Alemannia Aachen.
Sein Klub gewann am 8. Spieltag haushoch mit 5:1 bei den Grün-Weißen. „Ein überraschend eindeutiges Ergebnis, damit hatten wir nicht gerechnet“, erklärte Azzouzi hocherfreut nach der Partie. Was allerdings nichts daran änderte, dass sich auch seine Aachener, wie der Gastgeber, in dieser Saison Spieltag für Spieltag gegen den Abstieg stemmen mussten.
Gegnerische Trainer hatten vor allem in der Vorrunde in Schweinfurt leichtes Spiel. Fast alle nahmen – neben einem Präsentkorb der Schnüdel, überreicht bei den Pressekonferenzen – drei Punkte mit nach Hause. Doch mit dem Auftritt der eigenen Mannschaft war kaum einer von ihnen zufrieden.

Auch nicht Claus-Dieter Wollitz gleich im ersten Heimspiel der Nullfünfer gegen Energie Cottbus. Ihm hängt bis heute der Spitzname „Pele“ an – obwohl Wollitz gerade mal 64 Spiele in der Bundesliga bestritt, ohne dabei nennenswert aufzufallen.
„Wir sind letzte Saison ebenso schlecht wie Schweinfurt gestartet, und am Ende wären wir fast in die zweite Liga aufgestiegen“, tröstete Wollitz den Gegner nach dem unglücklichen 0:2 in der Nachspielzeit. „Für Schweinfurt ist also noch alles drin.“
Als Ziel für seine Cottbuser nannte er auch in dieser Saison nur den Klassenerhalt. Aus heutiger Sicht glattes Understatement. Und damals vermutlich auch schon. Denn seine Mannschaft mischt auch diesmal wieder ganz oben an der Tabellenspitze mit.

Ebenso wie der MSV Duisburg, der in Schweinfurt am 6. Spieltag mit 3:0 gewann und einen neuen Startrekord für die dritte Liga aufstellte: Sechs Siege in den ersten sechs Spielen. Zur großen Freude von Geschäftsführer und Ex-Nationalspieler Michael Preetz.
„Sowas kann man natürlich nicht im Voraus planen, schon gar nicht als Aufsteiger – und der sind wir wie Schweinfurt 05 ja auch“, zeigte sich Preetz am Eingang des Kabinentrakts überrascht von der eigenen Elf.
In Schweinfurt bekam der frühere Stürmer, der sieben Mal das Nationaltrikot trug und zudem elf Partien in der Champions League absolvierte, das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. „Diesen Rekord nehmen wir jetzt mit und wir wollen uns so lange wie möglich oben halten“, fügte er an. Was seiner Mannschaft bisher gut gelingt.
Zwei prominente Besucher kommen noch ins Sachs-Stadion. Schon am kommenden Donnerstag Youri Mulder, derzeit Chef für den Profifußball bei Schalke 04. Er gewann dort als Spieler im Jahr 1997 den Uefa-Cup und 2001 wie 2022 den DFB-Pokal. Neun Spiele bestritt er zudem bis 1999 für die holländische Nationalmannschaft, sein Debüt gab Mulder im November 1994 gegen Tschechien. Sein Klub ist am 26. März Ehrengast zur 90-Jahr-Feier der Schweinfurter Arena.
Und am letzten Spieltag besetzt Michael „Tanne“ Tarnat einen Platz auf der grün-weißen Tribüne in Schweinfurt. Beim Gastspiel von Erzgebirge Aue, wo er seit Jahresbeginn Geschäftsführer ist. Tarnat spielte mit der deutschen Elf bei der WM 1998 in Frankreich, war aber mit Bayern München deutlich erfolgreicher: In seinen sechs Jahren ab 1997 holten die Bayern den Champions League- und den Weltpokal, wurden viermal deutscher Meister und dreimal Pokalsieger.

Am spektakulärsten verlief in dieser Spielzeit allerdings der Besuch eines nicht sehr bekannten Spielers: Nader El-Jindaoui. Auf dem Platz – wenn er mal spielt – nur Akteur der zweiten Mannschaft von TSG Hoffenheim. Doch neben dem grünen Rasen äußerst wirkungsvoll. Allein wegen ihm füllten Hunderte von jungen und sehr jungen Zuschauern am 14. Spieltag die Ränge rechts neben der Haupttribüne des Schweinfurter Stadions.
Als der Deutsch-Palästinenser nach knapp einer Stunde eingewechselt wurde, kreischte nicht wenige von denen wie bei einem Rock-Konzert. Und als sich ihrem Idol kurz vor Abpfiff eine Chance vor dem Schweinfurter Tor bot, wurde manche(r) fast hysterisch. Das Ergebnis selbst – der einzige Heimsieg der Nullfünfer in der Vorrunde – war für sie hingegen überhaupt kein Thema.

Der 29-Jährige hat im Fußball (noch) keinerlei Spuren hinterlassen, als Influencer folgen ihm jedoch rund zwei Millionen Follower. Womit El-Jindaoui mit Fug und Recht behaupten kann, dass sich mehr Fans mit ihm beschäftigen als mit vielen Fußball-Stars und prominenten Managern.