Jan Mejdr ist eine große Ausnahme im deutsch-tschechischen Fußball. Zum einen, weil er bei Hansa Rostock in Deutschlands dritter Liga spielt – obwohl er bei seinem Wechsel im Sommer 2024 die Möglichkeit hatte, mit Sparta Prag in der Champions League anzutreten. Und zudem, weil der Prager nur einer von vier Tschechen in dieser Spielklasse ist.
Ihr Lattenknaller kurz vor der Halbzeit war die einzige Chance für Rostock in der ersten Hälfte beim FC Schweinfurt 05. Hansa spielte nur 0:0, für einen Aufstiegsaspiranten wäre ein Sieg beim Tabellenschlusslicht und sicheren Absteiger eigentlich Pflicht gewesen…
Ich will nicht sagen, dass uns heute das Glück fehlte, denn ich glaube nicht an Glück. Ich will auch nicht sagen, es war zu wenig, was wir heute geboten haben, denn wir hatten ja genügend Chancen für ein Tor. Solche Spiele wie heute hast du einfach im Verlauf einer Saison. Nur schade, dass wir dieses Spiel gerade jetzt hatten, kurz vor Saisonende, wo jeder Punktgewinn wichtig ist.
Diese zwei verlorenen Punkte könnten für Hansa im Aufstiegskampf entscheidend sein. Rostock belegt derzeit den fünften Platz. Allerdings beträgt der Rückstand auf Relegationsplatz drei weiterhin nur drei Punkte und auf den Aufstiegsplatz zwei auch nur vier Punkte. Noch vier Spieltage – ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Rivalen ist weiter möglich.
Stimmt genau. Wir haben noch vier Spiele. Wenn wir alle gewinnen, ist der Aufstieg für uns weiterhin möglich.
Unmittelbar vor ihrem Wechsel an die Ostsee gewannen Sie mit Sparta Prag das Double, der Rekordmeister qualifizierte sich für die Champions League und spielte anschließend unter anderem gegen Bayer Leverkusen, Inter Mailand und Manchester City. Daher verwundert noch heute viele, dass Sie sich im Sommer 2024 für die dritte Klasse in Deutschland statt für die Königsklasse mit Sparta entschieden haben. Knapp zwei Jahre später: War Ihre Wahl für Hansa damals richtig?
Es gab noch andere Möglichkeiten für einen Wechsel. Aber Hansa war für mich zu diesem Zeitpunkt die beste Option. Und nach zwei Jahren kann ich sagen: Es war definitiv die richtige Entscheidung! Hansa ist ein richtig großer Verein, mit einer großen Geschichte – was man in Tschechien meist nicht weiß. Ich habe außerdem immer an einen Aufstieg mit der Mannschaft geglaubt. Wenn wir es in dieser Saison tatsächlich schaffen, wird es richtig geil.

Viele Tschechen träumen vom Meer. Hat für Sie auch eine Rolle gespielt, dass Rostock an der Ostsee liegt?
(lacht) Nein, das war nicht der Hauptgrund. Aber ja, es ist ein schöner Nebeneffekt.
Gleichwohl gewannen Sie in zwei Jahren bei Sparta zwei Meistertitel und den Pokal und brachten Ihre Erfahrung aus 56 Einsätzen in Tschechiens erster Liga sowie aus vier Qualifikationsspielen für die Champions League und die Europa Conference League mit nach Rostock – klingt nicht gerade nach Drittklassigkeit.
Man muss meine ganze Geschichte bei Sparta sehen. Ja, im ersten Jahr habe ich wichtige Spiele gemacht, wie die Play-off-Partien für die Champions League gegen den FC Kopenhagen. Doch im Jahr 2024 bestritt ich nach einer Verletzung nur noch drei Spiele – und wenn du so wenige Spiele machst, dann willst du nicht mehr länger warten. In dieser Phase hat mir Hansa sehr deutlich aufgezeigt, dass sie mich unbedingt wollen. Sie kommunizierten klar, welche Ziele sie haben, dass sie aufsteigen wollen und dass sie mich dafür brauchen. Daraufhin habe ich mir das Spiel in Rostock gegen Stuttgart angesehen. Das Stadion, die Fans, die Atmosphäre rund um den Verein – alles ist hier top! Ich wollte unbedingt nach Rostock, deshalb bat ich meinen Manager, sich um diesen Wechsel zu kümmern.
Bevor Sie im Sommer 2022 zu Sparta gingen, gewannen Sie mit dem FC Hradec Králové die Meisterschaft in der zweiten tschechischen Liga und qualifizierten sich als Aufsteiger durch Platz sechs sofort für die Meisterrunde. Daher glaubten tschechische Experten, dass Sie einer der besten rechten Verteidiger in der Liga werden könnten, vielleicht sogar ein neuer Star im tschechischen Fußball. Hat Sie enttäuscht, dass Sie sich bei Sparta nicht durchsetzen konnten?
Ich besetze eine schwierige Position in einer Mannschaft. Rechte Verteidiger werden nicht mehr so oft gesucht. Sparta hat nach meiner Verletzung einen neuen Spieler für die rechte Seite verpflichtet. Einen wirklich guten Mann, sogar Nationalspieler, der mittlerweile für Atletico Mineiro in Brasilien spielt (gemeint ist Ángelo Preciado, der von September 2023 bis Januar 2026 bei Sparta Prag spielte und für Ecuador auch bei der WM 2022 in Katar antrat, Anm.d.Red.). So läuft es eben im Fußball. Ich sah bei Sparta keine Chance mehr für mich.

Ließ Sparta Sie deshalb problemlos gehen?
Nachdem ich das Angebot von Hansa auf dem Tisch hatte, bat ich den Klub um meine Freigabe. Tomáš Rosický, der Sportdirektor von Sparta, kennt Hansa noch gut aus seiner Zeit in der Bundesliga. Er glaubte wohl auch, dass dieser Klub für mich die beste Lösung ist.
Warum wechselten Sie nicht innerhalb der tschechischen Liga, zum Beispiel zurück zum FC Hradec Králové?
Ich wollte immer mal ins Ausland und dort eine andere Erfahrung machen. Hansa bot mir diese Möglichkeit. Außerdem habe ich schon immer das Reisen geliebt. Die Karriere eines Spielers ist im Fußball kurz, das wissen wir selber. Deshalb wollte ich keine Zeit mehr verlieren (Jan Mejdr war bei seinem Wechsel 29 Jahre alt, Anm.d.Red.). Zumal die tschechische Liga nicht so sexy ist. Deutschland ist in Bezug auf Fußballkultur ein tolles Land. Und Hansa hat alles, was ein Fußballspieler braucht und will. Jetzt weiß ich allerdings, wie schwer es für einen tschechischen Fußballer ist, sich im Ausland durchsetzen. Auch eine wichtige Erfahrung für mich.
Könnte Hansa in der tschechischen Liga bestehen?
Die dritte Liga in Deutschland wird oft unterschätzt. Die ersten vier, fünf Mannschaft in der Tabelle spielen auf einem enorm hohen Niveau. Ich denke tatsächlich, Hansa könnte sich in der ersten tschechischen Liga zwischen Platz fünf und sieben behaupten.
Trotzdem spielen in dieser Saison nur vier Tschechen in der dritten Liga. Neben Ihnen noch der junge Leon Švitek beim TSV Havelse sowie Yannick Eduardo und Alex Honajzer bei Hoffenheim 2. Würden Sie tschechischen Spielern empfehlen, in diese Spielklasse zu gehen?
Nach unserem Spiel gegen die zweite Mannschaft von Hoffenheim sprach ich mit Alex – und wir unterhielten uns auch über genau diese Frage. Es ist nicht einfach für tschechische Spieler, in deutschen Ligen Fuß zu fassen, weil es hier einfach so viele starke Spieler gibt. Deutschland ist ein großes Land, Fußball mit Abstand die Nummer eins im Sport. Daher ist es selbst in der dritten Liga schwierig, einen Stammplatz in einer Mannschaft zu bekommen.

Wie lautet also Ihre Empfehlung?
Wenn mich ein tschechischer Spieler fragen würde, ob er von der ersten tschechischen Liga in die dritte deutsche Liga gehen soll, dann sage ich ihm: Hey, natürlich! Und wenn es für dich in der dritten Liga gut läuft, hast du vielleicht eine Chance auf die Zweite Bundesliga – und die ist unglaublich stark, das ist ja nicht nur in Deutschland bekannt, sondern international. Ich weiß das jetzt ganz genau. Viele Fans in Tschechien denken noch immer, dass die zweite oder dritte Liga in Deutschland nicht das gleiche Niveau hat wie die erste in Tschechien. Aber (schmunzelt), das stimmt überhaupt nicht.
Sie werden in ein paar Tagen 31 Jahre alt. Hat der „Magier“ – so Ihr Spitzname aus Ihrer Zeit bei Sparta, den Sie auch bei Instagram mit 75.000 Followern nutzen – noch Ambitionen auf eine höhere Liga?
Ich habe einen Vertrag bis Sommer. Mein Körper und meine Fitness sind weiterhin top, ich lebe entsprechend. Mein Ziel bleibt daher, weiter auf hohem Niveau zu spielen. Was in naher Zukunft passiert, weiß man im Fußball nie. Ich bin jetzt in Rostock – und bereite mich auf die zweite Liga vor…