Felix Brych hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. Mehrfach wurde er als bester Schiedsrichter auf dem Globus ausgezeichnet. Das wissen viele. Nicht aber, dass seine familiären Wurzeln in Westböhmen liegen. „Das ist praktisch nicht bekannt“, bestätigt der 50-Jährige gegenüber „Prager Zeitung.de“. Brych hat seine sudetendeutschen Wurzeln selbst nie zu einem Thema gemacht. Sein Name ist indes im slawischen Sprachraum weit verbreitet.

Der Vater von Felix Brych wurde in Karlsbad geboren und nach dem Krieg vertrieben. Er ließ sich in der Oberpfalz nieder und zog dann nach München. Dort kam später Sohn Felix zur Welt.

Bei einer Bank in Prag

Mit seiner Familie reiste Felix Brych vor ein paar Jahren nach Karlsbad, zum Geburtshaus des Vaters. „Als ich 17 war, habe ich ihn oft auch in Prag besucht“, erzählt er, „er arbeitete dort sieben Jahre lang für eine Bank.“ Verwandte hat die Familie in Westböhmen und Tschechien jedoch nicht mehr.

Der prominente Referee leitete – trotz zahlreicher nationaler wie internationaler Einsätze – auch nie ein Spiel von tschechischen Mannschaften. Ein Grund dafür: In der Champions League, wo er 69 Spiele pfiff, seien „Klubs wie Sparta oft schon in der Vorrunde ausgeschieden.“

Und die große Zeit der Nationalelf „lag vor meiner Zeit“, so Felix Brych – auch wenn die KI ein „besonders prominentes Beispiel“ anführt: Viertelfinale Tschechien gegen Dänemark bei der EM 2021. Tatsächlich pfiff der Deutsche damals die Viertelfinal-Begegnung zwischen England und der Ukraine.

Promovierter Jurist

Darüber wurde vor Anstoß dieser Begegnung jedoch heftig diskutiert. Denn Deutschland war zuvor an England gescheitert. Deshalb wurde kurzzeitig erwogen, den promovierten Juristen Dr. Brych von diesem Spiel abzuziehen und stattdessen für das tschechische Spiel anzusetzen.

Bei der Euro 2021 leitete Brych fünf Spiele. Als Höhepunkt hebt er das Halbfinale zwischen Italien und Spanien hervor. Prinzipiell bevorzugte der Deutsche jedoch Partien in der Champions League, weil dort „schon ab dem Viertelfinale nur noch Weltstars am Ball sind, bei einer WM dagegen immer nur sieben oder acht.“

Möglicherweise ist Brych auch nicht gut auf WM-Turniere zu sprechen, weil er damit unangenehme Erinnerungen verbindet. Speziell an die WM 2018, bei der er ein Schlüsselerlebnis zu verarbeiten hatte. Es ereignete sich im Vorrundenspiel zwischen Serbien und der Schweiz. Dort verweigerte der deutsche Referee den Serben vor acht Jahren einen berechtigten Elfmeter.

Üble Beschimpfung

Daraufhin beschimpften sie ihn als „deutschen Kriegsverbrecher.“ Der Weltverband Fifa gab ihm kein weiteres WM-Spiel mehr. So wenige Einsätze bei einer WM hatte ein deutscher Schiedsrichter bis dahin seit 36 Jahren nicht mehr.

Brych reiste zur WM als amtierender Weltschiedsrichter, hatte das Champions League-Finale 2017 geleitet, war zwischen 2013 und 2018 viermal „Schiedsrichter des Jahres“ in Deutschland. Er kam deshalb „mit großen Erwartungen“ nach Russland. Und ging „mit Schimpf und Schande.“

Einen Grund für seinen schwachen Auftritt in Russland sieht er darin, dass bei ihm „ein Lagerkoller entstand.“ Um bei einer WM zu reüssieren, müssten die richtigen Voraussetzungen geschaffen sein. Ganz wichtig sei in dieser Hinsicht das richtige Quartier.

Miese Unterkunft

Seine Unterkunft in Russland war indes ein Camp, das wenig Spaß bereitete. Mit „braunem Wasser aus der Leitung.“ Dazu fühlte sich Felix Brych reichlich unwohl in einer großen, sich „stets beäugenden Gruppe von Schiedsrichtern“ mit Neid-Charakter.

Ein Jahr habe er gebraucht, um „wieder der Alte zu sein“, gibt der Unparteiische unumwunden zu. Seine Lehre daraus: Zunächst fühlte sich Brych, dem Spieler in der Bundesliga zuweilen Arroganz vorwarfen, schlecht behandelt.

Einer der Besten

Dann habe er aber erkannt, dass „ich selbst es verbockt hatte.“ Diese Einsicht habe ihn „auf ein anderes Niveau“ gehoben. Sie habe ihn schlicht und einfach „persönlich weitergebracht“, resümiert der erfahrene Schiedsrichter.

Felix Brych wurde 2021 noch einmal Weltschiedsrichter. Sowie 2021, 2023 und 2025 erneut als Deutschlands bester Schiedsrichter geehrt.