Antonín Panenka servierte seine Ein- und Wertschätzung gleichsam auf einem Silbertablett. Auf die Frage, welcher Verein in Deutschland ihn besonders beeindruckte, nannte das tschechische Fußball-Idol im Exklusiv-Gespräch mit „Prager Zeitung.de“ die Borussen aus Mönchengladbach. Nun „verwandelte“ der Präsident des Traditionsvereins, Rainer Bonhof, die Steilvorlage des Pragers und ließ uns eine Antwort zukommen.
Der große Panenka, damals 27 Jahre alt, stand im EM-Finale von 1976 im Zenit seines Könnens. In jenem Spiel, das die ČSSR im Elfmeterschießen gegen Deutschland gewann. Durch einen Elfmeter von Antonín Panenka, der ihn weltberühmt machte und dessen Ruhm bis heute anhält.
Genau zu jener Zeit – Mitte der 1970er Jahre – gewann auch eine große Mannschaft von Mönchengladbach in der Bundesliga drei Meistertitel in Serie. Sie erreichte zudem zwei europäische Endspiele: 1975 holten sich die „Fohlen“ den Titel im Uefa-Cup gegen Twente Enschede, zwei Jahre später unterlagen sie im Meistercup dem FC Liverpool. Das Gerüst dieser Elf bildeten die Weltmeister Berti Vogts, Jupp Heynckes und Rainer Bonhof sowie der „Fußballer Europas 1977“, Allan Simonsen.
Hätte Antonín Panenka in den 1970ern zur Spielweise von Mönchengladbach gepasst, sich mit diesen großartigen Einzelkönnern ergänzt? „Es ist schwer, solche hypothetischen Fragen zu beantworten“, erklärt Rainer Bonhof, der jüngste Spieler in der deutschen WM-Elf von 1974.

Zwei Jahre später erlebte Bonhof im EM-Finale den Tschechen Panenka als Gegenspieler. Im legendären Elfmeterschießen verwandelte er den ersten Penalty für Deutschland. „Fakt ist, dass Panenka ein hervorragender Fußballer mit einem tollen linken Fuß gewesen ist“, urteilt Bonhof heute.
Wobei den Gladbacher nicht nur wegen des Endspiels von 1976 eine interessante Geschichte mit der Tschechoslowakei verbindet. Nach der verpatzten WM 1978 in Argentinien baute Deutschland eine neue Elf auf, die 1980 Europameister wurde (Bonhof verletzte sich kurz vor Beginn des Turniers).
Wie stark diese „neue“ deutsche Nationalelf sein würde, zeigte sich bereits im Oktober 78 in Prag, wo sie die ČSSR in einem Freundschaftsspiel gleich nach der vermurksten WM mit 4:3 besiegte – durch zwei Tore von Bonhof. Sein Treffer zum 2:0 wurde später sogar zum „Tor des Jahres 1978“ in Deutschland gewählt.
Auch beim EM-Endspiel 1996, das Deutschland durch ein „Golden Goal“ von Oliver Bierhoff im Finale gegen Tschechien gewann, war Rainer Bonhof dabei. Als Co-Trainer stand er damals Bundestrainer Berti Vogts zur Seite.
Antonín Panenka erreichte noch mit 36 Jahren ein europäisches Finale. In Diensten von Rapid Wien stand er im Endspiel des Cups der Pokalsieger gegen den FC Everton, damals die beste Mannschaft in England, das die Österreicher mit 1:3 verloren. Schade, dass Panenka wegen einer Verletzung so spät eingetauscht wurde, gab Österreichs Idol Herbert Prohaska danach im „Kurier“ zu Protokoll.
Als Antonín Panenka endlich dabei war, riss er mit zwei schönen Pässen die Verteidigung des Gegners auf. „Rapid fehlte eine Anspielstation im Mittelfeld und ein fitter Panenka hätte sie sein können“, so Prohaska. Auch Rapid-Coach Otto Barić war hernach überzeugt davon, dass es mit Panenka von Anfang an besser gelaufen wäre.
Antonín Panenka und Borussia Mönchengladbach also. Ein Match? Fazit von Rainer Bonhof: „Bei all seinen Qualitäten wäre die Wahrscheinlichkeit hoch gewesen, dass er auch unsere starke Mannschaft damals bereichert hätte.“