Nach dem allzu frühen WM-Aus der deutschen Elf schreit ganz Fußball-Deutschland nach einem neuen Bundestrainer. Also nach Jürgen Klopp. Wenn er denn will. Ja, er will – dass Ole Werner neuer Bundestrainer wird.

Ich begegnete Klopp auf dem Weg nach Prag. Bei einem Zwischenstopp in Nürnberg. Das war im September 2013, und Jürgen Klopp noch Trainer von Borussia Dortmund. Die Bundesligapartie beim Club endete 1:1, mit dem Tschechen Adam Hloušek in der Startelf. Erst jetzt stellt sich heraus, dass sie ein Schlüsselmoment in der Trainerkarriere des damaligen BVB-Coaches war.

Denn in der Pressekonferenz nach dem Spiel forderte Klopp: Mögen die Mechanismen des Geschäftes hier nicht wieder greifen! Wobei sich sein Blick auf Nürnbergs Trainer Michael Wiesinger richtete. Der wurde erst im Januar 2013 Trainer am Valznerweiher – und bekam dort im Oktober 2013 schon wieder den Laufpass. Nur ein paar Tage nach Klopps Gastspiel. Aller Mahnungen des Fußballweisen zum Trotz. Das hat das Leben von Jürgen Klopp nachhaltig verändert.

Daraufhin beschloss der Schwarzwälder für sich: Niemals wird es soweit kommen, dass ihn ein anderer vor die Tür setzt. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung – Klopps Leitfaden für seine weitere Laufbahn. Was er in den folgenden Jahren konsequent umsetzte, in Dortmund wie in Liverpool. Immer sagte nur Klopp, kurz und bündig: Danke, das war‘s.

Doch Jürgen Klopp ist kein Egoist. Und er hat ein Faible für die deutsche Nationalelf. Deshalb, und nur deshalb, katapultierte Klopp im Schatten der WM-Spiele völlig unerwartet Ole Werner aus dem Red Bull-Kosmos. Der Global Head of Soccer, was auch immer das sein mag, zeigte dem Erfolgstrainer von Leipzig die rote Karte.

Zwar lösten Klopp und ein paar andere wichtige Menschen von RB damit einen Urknall aus. Vergleichbar mit dem vorzeitigen k.o. der deutschen Nationalmannschaft in Nordamerika. Weshalb Klopp von denen, die den Rausschmiss trotz der WM überhaupt mitbekamen, heftigst gescholten wurde. Zuvorderst vom Fachmann des „Kicker“, der regelmäßig über RB reportiert.

In Schimpftiraden wurde beklagt, dass Werner als Trainer von RB nur ein Jahr bekommen habe. Und nichtsdestotrotz alle Aufgaben erfüllte: Nicht nur das Saisonziel Europacup erreicht, sondern sogar die Teilnahme an der Champions League. In der Bundesliga auf Platz drei gelandet, ausgetrickst lediglich von Meister Bayern und Vize Dortmund. Zudem nach Punkten drittbester Trainer in der Bundesliga-Geschichte von RB. Klopp sei daher ein „Trainerkiller“, wurde ihm in den USA zugerufen.

In Wirklichkeit traf Jürgen Klopp seine Entscheidung in kluger Voraussicht. Vor Ort in den Staaten wurde ihm schon Tage vor dem Aus der Deutschen klar, dass sie bei diesem Turnier nicht weit kommen werden. Und damit auch nicht Bundestrainer Julian Nagelsmann. Deshalb musste zügig gehandelt werden: Klopp setzte seinen treuen Ole an die Luft.

Und nun? Erfüllt Ole Werner aufs Prächtigste alle Anforderungen, die für den Neuaufbau einer deutschen Nationalmannschaft gefragt sind. Er versteht es, Übermannschaften auf den Fersen zu bleiben. Also Frankreich oder Spanien. Wie bisher Bayern oder Dortmund. Er kann Punkte holen. Und wann stand Deutschland bei einer Welt- oder Europameisterschaft zuletzt in einem Halbfinale – und belegte einen dritten Platz?

Selbstverständlich trieb Klopp die Ereignisse auch hier aus purem Eigennutz voran. Im Februar 2025 stellte das Magazin „Absatzwirtschaft“ fest, dass „niemand Jürgen Klopp entkommen kann“, weil er seit Jahren „in fast jedem werbenden Marktsegment auftaucht.“ Woher soll Klopp also die Zeit nehmen, auch noch die Nationalelf auf Vordermann zu bringen?

Zumal er schon jetzt, laut „Absatzwirtschaft“, auf einem „schmalen Grat zwischen Glaubwürdigkeit und Omnipräsenz“ wandert, von Autofirmen zu Bierbrauern und Schokoriegel-Fabrikanten zu Vermögensberatern. Vor allem jedoch als Werbegesicht für ein Portal, das Hotelpreise vergleicht. Ausgerechnet Klopp, der spätestens in Liverpool und Leipzig mit Geld zugeschüttet wurde – von seinen Werbepartnern ganz zu schweigen. Weshalb er definitiv nicht mit jedem Euro rechnen muss, wenn er ein Hotelzimmer braucht. Andererseits, Klopp ist Schwabe…

Freilich könnte Ole Werner keinen Bock auf den Job als Bundestrainer haben. Dann muss er ja nicht nur die Bosse von RB fürchten, sondern 84 Millionen andere Bundestrainer auch. In diesem Fall, und nur in diesem, macht es Klopp selbst. Er wird jedoch sofort ins Gegenpressing übergehen, das er während der WM als Experte bei „Magenta TV“ so wunderbar erklärte. Also alles tun, um den Ball schnell zurückzugewinnen. Heißt: Seine eigene Entscheidungsfreiheit.

Für Julian Nagelsmann hat er auch gleich einen neuen Job. Michael Wiesinger landete später in den Nachwuchsleistungszentren von Nürnberg und dem FC Bayern. Dorthin wird auch Nagelsmann versetzt. Schließlich war er der jüngste Coach bei der WM 2026.  

Klaus Hanisch