Weg vom Party-Hotspot, hin zur Kulturmetropole – dieses Ziel strebt Prags Stadtverwaltung mit einem Strategieplan 2024-2027 an. Die Hauptstadt will mehr zahlungskräftige Touristen gewinnen. Sie sollen mehr hochwertige Dienstleistungen nutzen, auch außerhalb des Zentrums. Also mehr Qualität statt Quantität bei den Besuchern. Erste Ergebnisse der Bemühungen wurden gestern Abend in einem bayerischen Biergarten erkennbar.

„Ich habe gerade ein wenig gelauscht.“ Sagt ein Mann, Anfang 40, am Nebentisch. „Habe ich richtig gehört: Sie wohnen auch in Prag? Wunderbar. Tolle Stadt. Gerade im Sommer.“

Sie kennen Prag?

„Jawoll. Wunderbare Stadt.“

Und woher?

„Junggesellenabschied!“

Ah ja… Hört man immer wieder, dass Leute dadurch Prag kennengelernt haben.

„War sehr schön dort. In Prag. Und ungewöhnlich.“

Warum?

„Das war ja kein Junggesellenabschied, wie sonst üblich.“

Sondern?

„Das war mit Striptease. In irgendsoeinem Schuppen. Im Keller dort.“

Ja, das ist üblich… Striptease. Bei einem Junggesellenabschied in Prag.

„Nein, nein. Das war nicht nur Striptease. Das war ja quasi schon Porno. Ein Live-Porno. Kein Vergleich mit anderen Städten. Nicht einmal mit der Reeperbahn auf Sankt Pauli.“

Wieso jetzt?

„Dort haben sie beim Striptease ja wenigstens noch einen Slip an. Wie man so hört. Aber das in Prag, das war schon Porno. Die zeigen dir ja alles.“

Das habe ich allerdings noch nie gehört. Aber…

„Was?“

In Prag gibt es auch eine Nationalgalerie. Und ein Mucha-Museum. Und ein Nationaltheater. Überhaupt ganz viele Theater.

„Jaja, klar. Wir waren natürlich nicht nur in diesem Striptease-Schuppen.“

Ah, sehr gut. Wo denn noch?

„Beim Paintball. Irgendwo außerhalb. Ein paar Kilometer weg von Prag. Auch toll.“

Warum?

„Wenn dort auf dich geschossen wird, dann hast du nicht einfach nur einen Farbklecks auf den Klamotten, sondern richtig große Flatschen.“

Tja, das ist dann schwer wieder aus den Klamotten zu bekommen?

„Das ist nicht das Problem.“

Sondern?

„Das tut am nächsten Tag richtig weh.“

Blauer Fleck, oder wie?

„Nein, das tut so weh, wie wenn ein Schuss durch eine kugelsichere Weste geht. Stelle ich mir zumindest so vor. Da soll man ja auch Prellungen davontragen. Undsoweiter. Wird zumindest in Filmen immer wieder erzählt.“

Wann waren Sie in Prag?

„Na, vor drei Jahren. Es war mein eigener Junggesellenabschied.“

Und mehr Prag war damals nicht?

„Doch, natürlich.“

Ah, toll. Was denn noch?

„Ich wurde ausgepeitscht.“

Um Himmels Willen. Warum das denn?

„Gehörte zu meinem Junggesellenabschied.“

Nach dem Paintball? Eine ungewöhnliche Strafe für den Verlierer.

„Nein, gehörte zum Striptease.“

Was hat das jetzt damit zu tun?

„Gab noch ein Wett-Trinken unter uns. Der Verlierer wurde von der Stripperin anschließend noch ausgepeitscht.“

Das habe ich schon einmal von einem Engländer gehört, als ich für ein Buch über „Prager Nächte“ recherchierte. Er ging am nächsten Tag mit seinem Reiseleiter in den Nachtclub und zeigte dem Geschäftsführer seine Wunden. Als Entschädigung bekam er einen Gutschein für drei Gläser Bier.

„Nicht mehr? Frechheit. Das tut doch höllisch weh. Ich habe damals fast eine Woche gebraucht, bis die Striemen wieder weg waren.“

Was haben Sie von der Stripperin bekommen?

„Natürlich nichts. Ich hab’s ja freiwillig gemacht.“

Sehen Sie…

„Und der Spaß tat nicht nur weh. Er hat mich auch noch einen Haufen Geld gekostet.“

War die Stripperin so teuer?

„Sie war nicht das Problem.“

Sondern?

„Meine Gäste beim Junggesellenabschied. Weil ich das Wett-Trinken verloren hatte, musste ich nicht nur die Dame bezahlen, sondern auch noch alle Getränke. Überhaupt den ganzen Abend.“

Damit haben Sie von Prag für alle Zeiten die Schnauze voll.

„Im Gegenteil. Ich war vor ein paar Wochen erst wieder dort.“

Oha. Nationalgalerie? Mucha-Museum? Nationaltheater? Oder irgendeine andere von den 100 Bühnen und Theatern, die es in Prag gibt?

„Nö. Junggesellenabschied.“

Wieso das? Sind sie mittlerweile geschieden und haben wieder neu geheiratet?

„Nö, ein Kumpel fand meine Feier in Prag vor drei Jahren so toll, dass er jetzt auch seinen eigenen Junggesellenabschied in Prag gemacht hat. Waren noch mehr Freunde dabei als damals bei mir.“

Wurde er auch ausgepeitscht?

„Nö, der hatte Angst, dass er seiner Frau die Striemen nicht erklären kann. Deshalb gab‘s nur Striptease. Dafür an jedem Abend.“

Im Keller. Von dem Schuppen.

„Nö. Diesmal auf einem Schiff. Auf diesem Fluss in Prag. Sehr lustig. Wieder der reine Porno. Kein Vergleich zu Hamburg.“

Prag erlebt gerade einen Tourismusboom. Allein im ersten Quartal 2026 wurden rund 1,7 Millionen in- und ausländische Besucher gezählt. Mehr als drei Viertel der Gäste kamen aus dem Ausland. Die meisten internationalen Touristen reisen weiterhin aus Deutschland an.