Bei der Weltmeisterschaft 2026 muss das Achtelfinale Belgien gegen USA (4:1) von letzter Nacht wiederholt werden. Dies hat der designierte neue Fifa-Präsident Donald J. Trump gerade verfügt. Vermutlich wird auch das Finale der Fußball-WM 1962 zwischen der Tschechoslowakei und Brasilien noch einmal gespielt.

Nach eigenen Angaben wusste der noch amtierende US-Präsident bis vor wenigen Stunden nicht, was eine rote Karte im Fußball bedeutet. Kaum hatte er ihren tieferen Sinn kapiert, wurde Trump umgehend aktiv. Ein einziger Anruf bei seinem Männerfreund, dem noch amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, genügte bekanntlich aus, um den US-Stürmer Folarin Balogun wieder in die US-Mannschaft fürs Achtelfinale zu befördern – wohin er nach einem Platzverweis und den noch gültigen Regeln der Fifa eigentlich nicht gehörte.

Der Plan des Greatest President of all Time (GPAT) ging auf: Die US-Mannschaft trat unverändert in Bestbesetzung an, und die ganze Welt war wieder einmal gegen Amerika. In der Hoffnung, dass die Gerechtigkeit siegt, also Belgien. Was dem aufmüpfigen Gegner auch deshalb gelang, weil Trump seine eigene Mannschaft mit seiner Taktik dermaßen aus dem Takt brachte, dass sie nur noch eine Karikatur ihrer bisherigen Spielstärke war.

Doch selbstverständlich gibt Donald J. das Spielfeld in Seattle nicht einfach kampflos preis. Wenn er seine kostbare Zeit schon dafür verwendet, sich mit Fußball zu beschäftigen, lernte Trump in Windeseile auch, was dort ein „gestrecktes Bein“ bedeutet. Nämlich das, was der belgische Spieler Raskin gegen gleich zwei US-Spieler vermeintlich auspackte, um seinem Sportkameraden de Ketelaere das erste belgische Tor aufzulegen.

Klarer Regelverstoß, konstatierte der fachkundig gewordene Trump. Weshalb er erneut bei Infantino vorstellig wurde. Und der stimmte seinem Anruf nach eingehender Prüfung schon im Morgengrauen mit einem Hofknicks zu. Entscheid der Fifa, des Präsidenten, seiner Gnaden: Das Spiel muss neu angesetzt werden!

Allerdings hat Trumps Beraterstab durch die WM im eigenen Land notgedrungen eine gewisse Fußball-Affinität entwickelt. Weshalb einer aus dem dritten Sturm seine Hoheit darauf aufmerksam machte, dass er eine weitere Widerlichkeit beobachtet hat: „Aufgestützt“ von de Ketelaere vor seinem zweiten Tor. Gleich bei zwei US-Spielern! Noch mehr empörte Trumps Hofdiener freilich, dass der Quarterback der US-Elf beim dritten Tor von Belgiern respektlos behandelt und lächerlich gemacht wurde. Also ihr Torwart.

Ein Trumpf nach dem anderen für Trump und einen noch besseren Deal mit Infantino. Man sollte sich nicht lange mit einer Spielwiederholung aufhalten, regte das Oberhaupt der westlichen, östlichen und gesamten Welt an. Sondern an Ort und Stelle gleich auf Sieg für das US-Team entscheiden. Infantino fand den Vorschlag sehr bemerkenswert, ist aber noch in der Nachdenkphase, weil sein eigener Stuhl seit der „Affäre Balogun“ eine gefährliche Schlagseite bekommen hat. Kein Problem für Trump: Er steht als Nachfolger bereit – nachdem er nun alle Regeln des Fußballs in- und auswendig kennt. Mit seinem Programm: Make Fifa great again (MFGA).

Diese Geschichte mit der roten Karte für Balogun hat auch die Regierung in Prag hellhörig werden lassen. Premier Andrej Babiš beauftragte seinen Sportminister Boris Šťastný unverzüglich, in Archiven nach eindeutig zweideutigen Spielverläufen im Fußball zu wühlen, die den Tschechen zum Nachteil gerieten und deren Korrektur ihm im Land mehr Popularität verschaffen könnten.

Šťastný bzw. einer seiner Leute stieß tatsächlich auf ein weiteres heftiges Versäumnis in der trägen kommunistischen Herrschaft. Irgendwie gruben sie einen Artikel der britischen „BBC“ aus, in dem vermerkt ist, dass bei Weltmeisterschaften bisher 188 Platzverweise ausgesprochen wurden. Doch einer, ein einziger, blieb von einer Sperre verschont: Der Brasilianer Garrincha. Ausgerechnet im Finale der WM 1962 gegen die Tschechoslowakei.

Dieses Endspiel bewegt noch heute die tschechischen und slowakischen Gemüter. Nämlich mit der Frage, welcher fußballerische Erfolg aus der eigenen Vergangenheit höher zu bewerten ist: Der EM-Titel von 1976 oder die Vizeweltmeisterschaft von 1962. Woraus Babiš nun die Schlussfolgerung zieht: Die WM 62 könnte künftig die Antwort auf diese Frage sein – wenn das Land dank seines Engagements nicht mehr nur ein Vize ist, sondern der Weltmeister.

Denn Garrincha war ein herausragender Spieler bei jener WM und wurde Torschützenkönig. Ohne ihn waren seine Brasilianer nach Meinung von Augenzeugen kaum in der Lage, das Turnier zu gewinnen. Weshalb der brasilianische Verband schon damals politische Einflussnahme ausübte, um Garrincha auf dem Platz zu sehen. Möglicherweise durch einen brasilianischen Vorfahren von Trump.

Babiš ist noch in der Nachdenkphase, ob er die erneute Austragung des Endspiels von 1962 bei Infantino beantragen soll – oder sinnvollerweise gleich bei Trump. Alle noch lebenden Teilnehmer des Finals werden vorsorglich aufgefordert, unverzüglich mit dem Training zu beginnen, um rechtzeitig beim Anpfiff in Santiago de Chile auf dem Spielfeld zu stehen.

Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse überdenkt auch FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina jetzt seine Lage. Ein Rücktritt des Italieners ist nicht ausgeschlossen. Vor allem, weil er ernsthaft der Meinung ist, dass das Siegtor der deutschen Mannschaft im Spiel gegen Paraguay zu Recht nicht anerkannt wurde. Sollte Collina seinen Stuhl räumen, muss auch dieser Treffer bzw. seine Aberkennung ordnungsgemäß überprüft werden.

Mit einiger Sicherheit wird er neu bewertet, also doch noch gegeben. Was zwangsläufig eine Neuauflage der Partie zwischen Deutschland und Paraguay nach sich ziehen würde. Allerdings hat Paraguay zwischenzeitlich das Achtelfinale gegen Frankreich verloren. Also eine Partie, die es überhaupt nicht hätte geben dürfen.

Einzige Lösung: Infantino fragt bei Trump nach. Er wird auf einer Landkarte nachsehen, wo Paraguay liegt und dann feststellen, dass Südamerika ja zum Einflussbereich der USA gehört. Weshalb er Paraguay zum Sieger über Deutschland und Frankreich bestimmen lässt.    

Vor mehr als 40 Jahren forderte der „Stern“ im Zuge seiner angeblichen Hitler-Tagebücher, dass die deutsche Geschichte in weiten Teilen neu geschrieben werden müsse. Das ist freilich nichts gegenüber dem, was nun auf dem Spiel steht: Ab sofort muss die gesamte Geschichte des weltweiten Fußballs neu geschrieben werden.

Klaus Hanisch

Titelfoto: Vlad Vasnetsow / Pexels