Geschichte wiederholt sich eben doch. Auch Kriminalgeschichte. Erneut lauern „Autobahn-Piraten“ zwischen Tschechien und Deutschland auf gutgläubige Opfer. Sie sprechen Autofahrer im Grenzgebiet auf Parkplätzen oder Raststätten an und gaukeln vor, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden. Deshalb wollen die Täter Schmuck oder Uhren für Bargeld tauschen bzw. als Pfand hinterlegen.

Die angebotenen Gegenstände entpuppten sich später jedoch als wertlose Imitate. Solche Fälle gab es in den vergangenen Tagen mehrfach, wie die Polizei in der Oberpfalz mitteilte. Die Täter verschwanden, sobald sie Geld erhalten hatten. „Autobahngold“-Masche, nennt so etwas die Polizei.

Schon vor 16 Jahren – in der Ausgabe vom 1. April 2010 – wies die „Prager Zeitung“ ihre Leser auf verbrecherische Banden hin, die ihr Unwesen entlang der Grenze zwischen den Nachbarländern trieben. Diese Titelgeschichte fand damals große Beachtung bei unseren Lesern.

Was im ersten Moment wie ein Aprilscherz klang, war nämlich bitterer Ernst. In unserem Fallbeispiel bemerkte ein deutscher Reisender während seiner Fahrt auf der Autobahn D5 zwischen dem Übergang Waidhaus und Prag im Rückspiegel eine schwere Limousine. Deren Fahrer gab zunächst nur heftige Lichtzeichen.

Kurz vor Pilsen schloss er jedoch auf, zog rechts vorbei und steuerte sein Fahrzeug parallel auf der Standspur weiter. Dann riss er sein Fenster auf und signalisierte mit der Hand, abzubremsen und vor ihm anzuhalten. Auch sein Beifahrer winkte aufgeregt.

Hektische Lichthupe, nervöse Handzeichen, dichtes Auffahren – die gesamte Situation erinnerte an die Handlung in einem amerikanischen Gangster-Film. Und unser Beispiel war kein Einzelfall. Auf Nachfrage der PZ bestätigte die Polizeidienststelle in Pilsen, dass auch andere Autofahrer seit kurzem von Straßenräubern bedroht wurden.

Sie wollten gefälschten Schmuck verkaufen oder verlangten Geld für ihre Familien. Dabei handelte es sich meist um rumänische Banden. Falls sich ein Opfer weigerte, wurde ihm zuweilen die Geldbörse aus der Hand gerissen. Schauplatz der Überfälle war – wie in unserem Beispiel – meist die D5 im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Ebenso die Umgebung von Prag.

Die Polizei fand nahe der Autobahn gar ein Zeltlager der Kriminellen. Zwar wurden sie festgenommen und ausgewiesen, trotzdem war die Gefahr nicht gebannt, weil mehrere Banden gleichzeitig ihr Unwesen trieben. Schon vor 16 Jahren rieten Polizeisprecher beider Länder dazu, bei solchen Attacken keinesfalls anzuhalten, sondern einfach weiter zu fahren.

Nun wiederholt sich das altbekannte Muster. In einem Fall wurde ein Deutscher in einer Tankstelle in Tschechien von zwei Frauen und zwei Männern „mit südländischem Aussehen“ angesprochen, die ein Auto mit deutschem Kennzeichen nutzten. Die Unbekannten baten den Autofahrer, ihre Tankfüllung zu bezahlen. Als Gegenleistung wollten sie ihm Goldschmuck oder ein Mobiltelefon geben. Allerdings ging der Mann nicht auf ihren Betrugsversuch ein.

Anders in einem Fall nahe des Grenzübergangs Waidhaus. Zwei Lkw-Fahrer meldeten der Polizei, dass sie dort von mehreren Tätern auf Geld angesprochen wurden, das sie für Kraftstoff brauchten. Im Gegenzug gaben sie ihnen zwei Mobiltelefone. Später stellte sich heraus, dass ein Handy gefälscht und die Schachtel des zweiten Geräts leer war.

Anfang April wurde ein Deutscher auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Tschechien zum Opfer dieser Betrugsmasche. Ein Täter „mit osteuropäischem Aussehen“ bot dem 72-Jährigen ebenfalls ein Mobiltelefon sowie Goldschmuck an. Als er dem Senior die Kette anlegen wollte, entwendete er gleichzeitig dessen Kette am Hals. Bei einem Handgemenge trat der Unbekannte den Mann und flüchtete anschließend mit einem Auto mit deutschem Kennzeichen, in dem eine Mitfahrerin saß.

Ebenfalls im April wurde diese Betrugsmasche auch bei Dietfurt versucht, als ein Autofahrer auf einer Kreisstraße von einem bislang unbekannten Autofahrer angehalten wurde. Er gab an, dringend weiterfahren zu müssen, aber kein Geld zum Tanken zu haben, und bat den 25-Jährigen um 100 Euro Bargeld. Im Gegenzug bot er ihm eine Armbanduhr und einen Ring als Pfand an. Beide Autofahrer tauschten Telefonnummern aus und vereinbarten eine Rückzahlung des Geldes. Anschließend fuhr der Unbekannte davon. Wie sich später zeigte, waren Uhr und Ring kaum von Wert.

Tipps der Polizei:

Um Verluste zu vermeiden, rät die Polizei zu Misstrauen gegenüber Personen, die auf Parkplätzen, Raststätten oder am Straßenrand Geld oder Wertgegenstände anbieten – auch dann, wenn deren Geschichte glaubwürdig klingt.

Keinesfalls sollten Schmuckstücke oder Uhren von unbekannten Personen gekauft oder getauscht werden. Echtes Gold „gibt es nicht am Straßenrand“, wie die Polizei dazu anmerkt.

Wichtig sei außerdem, ältere Angehörige oder Bekannte zu warnen, weil sie besonders häufig Ziel von solchen Betrugsversuchen sind.

Wer solch einen Fall selbst erlebt hat oder bemerkt, dass andere Verkehrsteilnehmer darauf angesprochen werden, sollte umgehend die Polizei benachrichtigen. Wichtig sei dann, Kennzeichen und Fahrzeugtyp zu notieren und beteiligte Personen später beschreiben zu können – ohne sich aber dabei selbst in Gefahr zu bringen.

Einfachster Tipp der Polizei: Nicht unter Druck setzen lassen!

Titelfoto: Jonas von Werne / pexels