Gibt es einen Tag, an dem ich bedauere, in Prag gewesen zu sein? Nein. Doch! Es gibt ihn tatsächlich. Diesen einen, einzigen Tag in den letzten 35 Jahren, an den ich nicht gerne an Prag zurückdenke. Es war der 26. Juni 2025. Warum verfluche ich ihn? Weil genau um diesen Tag John Nolan hier war – was ich jedoch erst zwei Wochen später durch Fotos erfuhr.
Sehr, sehr ärgerlich ist das. Denn seit vielen Jahren bin ich ein riesengroßer Fan der Serie „The Rookie“. Und ihr Hauptdarsteller ist John Nolan. Also Nathan Fillion, der ihn spielt. Nach diesen Folgen bin ich süchtig. Vor ein paar Tagen ging Staffel 7 in ZDF Neo zu Ende. Noch werden einige Folgen durch Neo und durchs Nachtprogramm des ZDF getrieben. Dann ist Schluss im Free TV. Bis dort irgendwann Staffel 8 von „The Rookie“ beginnt.
Doppelte Qual
Das ist aus gleich zwei Gründen eine Qual: Zum einen, weil ich natürlich wissen möchte, wie’s mit John Nolan und den anderen weitergeht. Mehr aber noch, weil Folge 1 für diese achte Staffel zum allerersten Mal nicht in den USA gedreht wurde, sondern im Ausland – nämlich in Prag. Ausgerechnet.
Als Fan habe ich selbstverständlich alle sieben Staffeln von „The Rookie“ gesehen. Nicht nur das: Ich habe jede Folge dieser Staffeln mindestens dreimal gesehen. Wobei sie nicht nur sechs oder acht Folgen haben, sondern bis zu 20. Um es exakt auf den Punkt zu bringen: Es gibt insgesamt 126 Folgen von „The Rookie“ in sieben Staffeln!
Auf Nolans Spuren
Kann man sich so viele Folgen tatsächlich so oft ansehen? Ja, geht. Sogar sehr gut. Wie es ja auch Zuschauer gibt, die sich alle „Sissi“-Folgen seit Jahren und Jahrzehnten reinziehen. An Ostern oder Weihnachten oder wann immer sie wiederholt werden. Würde eine von diesen unzähligen TV-Quiz-Sendungen ein Special über „The Rookie“ anbieten, wäre ich zweifellos ein geeigneter Kandidat. Vermutlich sogar mit Chancen auf den Hauptpreis.
Wer genau ist nun dieser John Nolan? Der Mann musste einen Banküberfall in seiner Heimatstadt in Pennsylvania miterleben, worauf er sich entschloss, nach Los Angeles zu ziehen und dort auf Polizeibeamter umzuschulen. Auch weil er gerade mit seiner Baufirma Pleite ging. Eine Scheidung hatte er zudem noch hinter sich.

Allerdings ist er schon über 40 – und damit für seinen Vorgesetzten, Sergeant Wade Grey, ein einziges Ärgernis. Als ältester Rookie ever. Für Grey wirbelt Berufsanfänger Nolan mit seiner Midlife-Krise sinnloserweise das Gefüge in der Station Mid-Wilshire der Polizei von Los Angeles (LAPD) durcheinander. Mit ihm beginnen auch die deutlich jüngeren Jackson West und Lucy Chen ihre Ausbildung. Unter Anleitung der erfahrenen Polizisten Talia Bishop, Angela Lopez und Tim Bradford.
Durch sie liefert „The Rookie“ eine äußerst gelungene Mischung aus Sequenzen mit spannender Action und Krimi-Elementen und solchen mit launigem Humor und wunderbarer Ironie. Besonders in den Eingangspassagen vor der Titelmusik. Manchmal auch als Parodie, etwa auf die True Crime-Mode. Beste Unterhaltung ist das, unterlegt von cooler Musik. Der Song „Arrest me“ wurde gar zu einem Hit, den auch deutsche Radiosender fortlaufend spielten.
Spaßige Vögel
Immer wieder werden die Protagonisten durch urkomische Typen ergänzt, wie Privatdetektiv Randy (Lieblingsort: Bitterfeld) und Smitty, den faulsten Polizisten des LAPD, der seinen mangelnden Ehrgeiz freilich mit einem Zitat von William Faulkner begründen kann. Oder Nolans Drogen abhängigen Halbbruder Pete, der gerade deshalb dem LAPD bei einem Drogendeal helfen kann.
Anfangs kam die Serie noch wie ein Lehrfilm über den Polizeidienst in Kalifornien rüber. Mit Regeln und Vorschriften, die Sergeant Grey und die Ausbilder den Rookies wie eine Bibel herunter beteten. Zuletzt widmeten sich die Drehbücher dann aber auch aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Polizeibrutalität und Rassismus.
Chenfords Life
Am Ende jeder Folge ziehen die Protagonisten ein Tagesfazit. Dann „menschelt“ es. In den letzten Staffeln schon während der Folgen. Vor allem zur Frage, ob Bradford und Lucy Chen nun ein Paar werden oder nicht. „Chenford“ heißt dieses Geplänkel unter Fans.
Die Serie wurde im Oktober 2018 erstmals vom US-Sender ABC ausgestrahlt, ein paar Monate später auch in Deutschland. Längst sind mir die Darsteller wie eine große Familie ans Herz gewachsen. Voran der nahbare und manchmal überkorrekte Nolan, der mittlerweile selbst Rookies ausbildet. Ebenso die smarte Angela (Lopez), der harte Hund Tim (Bradford), der in den letzten Folgen immer mehr zum Softie wurde, die taffe Nayla (Harper).

Womit sich zuweilen die Frage stellt: Ist tatsächlich Nolan der Star dieser Serie oder nicht eher die immer so gutmütige, einfühlsame und gerechte Lucy (Chen) mit ihrer enorm ausdrucksstarken Mimik? Selbst für den umgänglich wirkenden Oscar konnte man in mancher Sekunde gewisse Sympathie entwickeln. Obwohl er ein eiskalter Killer ist. Nur die skrupellose Anwältin Monica stand für mich immer auf der Seite der Bösen, weil sie statt Gerechtigkeit nur Vorteile für ihre Mandanten suchte – und mehr noch für sich selbst.
Dass diese Serie bis einschließlich Staffel 7 so außergewöhnlich wirkt, ist auch der großartigen deutschen Übersetzung des Drehbuchs und der Synchronisation durch „Brandtfilm“ zu verdanken. Firmengründer Rainer Brandt prägte schon in den 1970ern die Serie „Die 2“ mit Roger Moore und Tony Curtis. Kein Wunder, dass „The Rookie“ oft an sie erinnert. Ebenso wichtig für den Erfolg: Fantastische Synchronsprecher wie Tobias Kluckert, die deutsche Stimme von John Nolan, mit einem leichten Nachhall und deshalb unverwechselbar.

Für mich ist „The Rookie“ die Mutter aller Dramedys. Und allem Anschein nach auch für andere. Nur so lässt sich erklären, dass der Sender ABC bei Autor Alexi Hawley wieder Bücher für neue Staffeln in Auftrag gab. Man lernt sogar manches für den Alltag. Zum Beispiel, was heutzutage „ghosten“ bedeutet. Oder den sinnvollen Lehrsatz von Bradford: „Nicht mein Thema“. Tatsächlich, warum sich eigentlich immer nur um anderes und andere kümmern?
Bleibt nun die große Frage: Wie geht es weiter mit John Nolan – Lopez – Chen – Harper – Bradford – Grey in Staffel 8? Vor allem: Wie geht es weiter mit ihnen in der ersten Folge von Staffel 8, die in Prag spielt? Mit dem Titel „Czech Mate“. Deutscher Titel: „Schachmatt in Tschechien“. Schon deshalb wichtig, weil ich mit John Nolan geradezu von Jahr zu Jahr gealtert bin.

Staffel 7 endete wie üblich mit einem Cliffhanger. Diesmal tauchte die korrupte Anwältin Monica Stevens wieder auf, die Nolan und den anderen das Leben schon lange schwer machte. Bis sie übertrieb, in einer Wüste die Flucht ergriff und international mit Haftbefehl gesucht wurde. Gerade Monica, die Böse, erhielt nun vom US-Justizministerium Immunität. Denn Geheimakten wurden aus einer NSA-Einrichtung in Los Angeles gestohlen. Die Regierung würde unter Druck geraten, wenn sie veröffentlicht werden, weil dies die nationale Sicherheit gefährde, heißt es. Die böse Monica könne helfen, dies zu unterbinden.
Und zwar in Prag. Warum, ist vorab schwer herauszufinden. Die meisten Infos über den Verlauf dieser Folge lieferte zu Jahresbeginn der englischsprachige Prague Reporter. Genauer gesagt, über den Verlauf der Dreharbeiten. So wurde erläutert, dass das Rudolfinum, sonst bekanntes Konzerthaus, als Luxushotel genutzt wurde und die Handlung an bekannten Schauplätzen wie Altstädter Ring und in Straßen der Altstadt – erwartungsgemäß – spiele.
Schüsse in Prag 8
Vor dem Restaurant „U Dvou velbloudů“ in der Kožná sei „eine kurze Kampfszene“ gedreht worden, wie weiter ausgeführt wurde. Und auf der Kleinseite entstand ein fiktives Café nahe der Karlsbrücke, im Außenbereich des „Restaurace U Jezulátka“ am Flussufer. Für wesentliche Handlungen habe der Invalidovna-Komplex in Karlín gedient. Sogar Schüsse seien in dem historischen Gebäude in Prag 8 gefallen.
Fazit des Prague Reporter: „The Rookie“ zeige Prag vor allem „so wie es ist und nicht als verschleierten europäischen Drehort“ – und sei somit eine positive Ausnahme unter US-Fernsehserien. Die erste Folge klinge mit dem altbekannten Song „Daddy Cop“ aus, den ein Musiker auf der Karlsbrücke zu Gehör bringe, eine Strophe gar auf Tschechisch. All diese Angaben mindern natürlich nicht im geringsten meine Spannung auf die Fortsetzung der Serie in Prag.
Die böse Monica
Bezüglich der konkreten Inhalte blieb der Autor vage. Es gehe „weniger um Spektakuläres als vielmehr darum, die Stadt organisch in die Erzählung um die Hauptfiguren einzubinden“, vermeldete er lediglich.
Das Magazin People bekam jedoch Ende 2025 schon einen Trailer zu sehen. Darin teile Nolan der bösen Monica weiterhin sein Misstrauen mit. Doch sie beharre darauf, allein für LAPD und FBI einen Waffenhändler überführen zu wollen. Es gehe um nichts weniger, als gegen hochrangige Terroristen vorzugehen, die innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten operieren.

Hauptdarsteller Nolan/Fillion äußerte einem Interview mit People Anfang Januar 2026, dass er die Dreharbeiten in Prag „wie für einen James-Bond-Film“ empfunden habe. Nicht zuletzt deshalb, weil er Anzug statt Polizeiuniform tragen durfte. Am Ende sei daraus „ein Actionfilm“ entstanden.
Was er noch anfügte: Unglaubliche Plätze, wunderschöner Fluss, tolle Schlösser – der Drehort Prag sei „echt cool“ gewesen. Dass Fillion das Gefühl bekam, dort „den ganzen Tag lang Besichtigungstouren“ machen zu wollen. Was Prag-Kenner natürlich nicht im geringsten überraschen kann.
Sogar die böse Monica soll Prag in dem Film loben. Nolans Frau Bailey gab an, die Metropole für eine „zweite Hochzeitsreise“ genutzt zu haben, nachdem die erste in einem Inselparadies bekanntlich an Morden scheiterte. Romantik in Prag war der Plan, „jede Menge unerwartetes Adrenalin“ die Realität, so Bailey-Darstellerin Jenna Dewan, die ein schönes Selfie vor der Uhr auf dem Altstädter Ring postete.

Anscheinend kamen nur vier Darsteller nach Prag, denn auf Fotos waren lediglich Nolan, Bailey, Harper und die böse Monica zu sehen. Wenn schon Serienjunkie, dann könnte mir die Plattform Serienjunkies.de weitere Hinweise auf die Rookies in Prag geben. Auch dort wird vor allem bestätigt, dass Alexi Hawley einen „James Bond-Ansatz“ für Prag wählte, um der Serie einen frischen Anstrich zu geben. Nathan Fillion wird in dem Sinne zitiert, dass sich die Arbeit in Prag anfühlte wie für Bonds „Casino Royale“.
Neben vielen anderen hat „The Rookie“ noch eine Stärke: Man kann sich wunderbar über verschiedene Aspekte streiten. Die Serien-Expertin von moviepilot.de sah ihre Vorfreude auf Staffel 8 zu Jahresbeginn getrübt. „Abgehobene Storylines wie diese nehmen den Fokus vom Wesentlichen“, kritisierte sie. Konkreter Anlass: Die Rückkehr von Monica, dieser „überlebensgroßen Comic-Bösewichtin“, sei fehl am Platz. Das ist sie für mich nicht!
Im Prager Spital
Vielmehr schürt gerade sie Emotionen. Monica ist so hinterhältig und widerlich, weshalb ich eine gewisse Freude darüber schwerlich verbergen mag, dass gerade sie wegen einer Lebensmittelvergiftung in ein Prager Krankenhaus eingeliefert wurde. Wenngleich es nicht die böse Monica aus dem Film war, sondern ihre Schauspielerin Bridget Regan, die dort landete. So böse kann man werden, wenn man ein Serienjunkie ist…
Prinzipiell sei der schwächste Teil der Staffeln, wenn Bösewichte oder Serienkiller auftauchen, monierte moviepilot.de zudem. Und nannte als prägnantes Beispiel die Gangster-Chefin aus Guatemala, in deren Auftrag die schwangere Angela Lopez mit einem Helikopter ins Ausland entführt wurde, um ihr ungeborenes Kind zu stehlen. Auch nicht meine Meinung! Genau diese Folgen bescheren die überraschendsten Elemente. Wenn also Lopez kurz vor ihrer Trauung plötzlich entführt und Nolans Mitstreiter Jackson West dabei ermordet wird.
Plötzliche Wendungen
Oder wenn Serienmörder Harrison Novak die Polizisten auf ein Feld mit all seinen Opfern führt – und dort plötzlich weitere Leichen eines anderen Serienmörders auftauchen. Das ist furchtbar, aber gleichzeitig eine so unerwartete Fortschreibung des Scripts, dass man darüber schon wieder lachen kann – und genau dies ist das Erfolgsrezept von „The Rookie“. Überhaupt erstaunt die Serie mit Konsequenz. Speziell in der Folge, als Captain Anderson in die Hände eines Gangster-Bubis gerät und tatsächlich stirbt.
Weiterhin sei „The Rookie“ immer „am besten, wenn es um die Streifenpolizei-Arbeit“ geht. Ja, klar, ist der Kern der Serie. Trotzdem weist selbst Hauptdarsteller Nathan Fillion darauf hin, dass die Serie nichts anderes als eine TV-Show sei, mit Einsätzen, Drama, Entertainment. Wer nach einem realistischen Polizeidrama suche, werde bei „The Rookie“ nicht fündig. Dafür wird auch viel zu viel geschossen und viel zu selten getroffen, beinahe wie in einem Western. Wobei die Gangster oft ausgerüstet sind wie für einen Kriegseinsatz und die LAPD-Polizisten mit Handfeuerwaffen eher kläglich dagegenhalten müssen.

Noch eine Meinungsdifferenz: Liebend gern schaut die Autorin bei Liebeswirren zu, speziell um Lucy Chen und Tim Bradford. Meine Ansicht: Für sowas gibt‘s „Sissi“. Nichtsdestotrotz lese ich die Beiträge der Kollegin bei moviepilot.de mit großer Freude.
Was der Prague Reporter noch anmerkte: In Totalaufnahmen wirke Prag in „The Rookie“ als sommerliche Kulisse mit blauem Himmel. Genau dies ist mein einziger Trost: Dieser 26. Juni 2025 war ein furchtbar heißer Tag in Prag. So heiß, dass ich für Besorgungen den lächerlichen Kilometer von meiner Wohnung zum Auto-Parkplatz nicht in einem Ruck bewältigte, sondern auf halbem Weg auf einer Bank rasten musste.
Bis heute quält mich deshalb die Frage, ob ich bei diesen heftigen klimatischen Voraussetzungen überhaupt aus meiner Prager Vorstadt mit schönen schattigen Plätzen ins Zentrum der Stadt gefahren wäre, um Nolan zu sehen – wenn ich denn gewusst hätte, dass er gerade dort ist. Und wenn man ihn überhaupt hätte sehen können, bei all dem touristischen Trubel im Sommer in Prag.

Der Drehort Prag war nicht zuletzt deshalb nötig, weil die Arbeiten in Los Angeles wegen der Popularität der Serie mittlerweile öfters unterbrochen werden müssen, um Fans und ihre Begeisterung in Schach zu halten. Vermutlich wäre Nolan auch in der tschechischen Metropole vom Drehstab strikt abgeschirmt worden. Kaum eine Chance für mich, einmal Nolans Hand zu drücken. Oder gar ein kurzes Gespräch mit ihm zu führen. Oder ein Selfie zu machen. Oder wenigstens ein Autogramm von ihm zu erhalten.
Trotzdem wäre ich natürlich gefahren – und pfeif auf den Hitzschlag, den ich dabei am Altstädter Ring erlitten hätte! Nachdem ich in den letzten Jahren sogar schon meine „heiligen“ Abende in Prager Kneipen vorzeitig beendete, um die Fortsetzung einer „Rookie“-Staffel nicht zu verpassen.

Die Rookies in Prag. Kann es was Schöneres für einen Fan von beiden geben? Und ich war nur eine knappe halbe Stunde Fahrzeit von John Nolan entfernt, als er hier drehte. Ja, ich verfluche diesen 26. Juni 2025 und die Tage drumherum! Das mag man für albern halten. Erst recht für einen Mann, der dem Teenie-Alter längst entwachsen ist. Doch, hey, es ist „The Rookie“!
Irgendwo in den unendlichen Weiten der Streaming-Dienste wird sicher schon Staffel 8 gezeigt. Dann wären jedoch Spannung und Vorfreude für mich dahin. Und eine Menge Geld für eben dieses Pay TV dazu. Da warte ich lieber, bis die Serie wieder im Free TV läuft – und gebe das gesparte Kapital lieber in Prager Kneipen aus.
Ja, meine Sucht nach Prag ist wohl doch noch ein wenig größer als nach den Rookies.
Titelfoto: ZDF/Mike Taing